Häresie
| Ketzerei ist wie ein Baum. Ihre Wurzeln liegen im Dunkeln, während ihre Blätter im Sonnenlicht schwanken, und so bietet sie den nichtsahnend Arglosen eine ansprechende und erfreuliche Erscheinung. Natürlich, man kann ihre Äste stutzen oder den Baum sogar über dem Erdboden fällen. Aber er wird wieder nachwachsen, stärker und anmutiger als je zuvor. Und während der ganzen Zeit wachsen die die Wurzeln fortwährend dicker und schwärzer, nagen am verdorbenen Erdreich, beziehen ihre Nahrung aus der Finsternis, gedeihen unablässig größer und krallen sich immer tiefer fest. Solcherart ist die wahre Natur der Ketzerei, und dies ist der Grund, warum sie so schwer zu vernichten ist, denn man muss Blätter, Äste, Stamm und Wurzeln zugleich ausmerzen. Sie muss mit Stumpf und Stiel getilgt werden, oder sie wird wieder stärker als je zuvor zurückkehren, bis sie zu gewaltig ist, um sie noch auszulöschen. Dann sind wir alle dem Untergang geweiht.
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Inhaltsverzeichnis |
Allgemein
Die Begriffe der Häresie oder Ketzerei stellen im Sprachgebrauch des Imperiums und des Adeptus Ministorum eine recht vage, wenig trennscharfe, aber stets abwertende Bezeichnung für all jene Sünden, Verbrechen oder gedankliche Abweichungen dar, welche als besonders anstößig empfunden werden. Naturgemäß ist die Einordnung einer bestimmten Handlung oder Denkweise bei einem solch großen und vielfältigen Gebilde wie dem Imperium mit seinen zahlreichen örtlichen Ausprägungen von Lebensweise und Religion, nicht an allen Orten gleich. Auch kann der Fanatizismus, mit welchem insbesondere gegen kleinere Ausprägungen der Ketzerei vorgegangen wird, von Ort zu Ort sehr unterschiedlich sein. Enger gefasst bezeichnet der Begriff jedes Befolgen, Propagieren oder Handeln aufgrund einer theologischen oder politischen Leitlinie, die im Gegensatz zum Imperialen Glauben oder dem als göttlich angesehenen Lex Imperialis steht.1:S.21f
Abgesehen von seinen Kernpunkten ist der Imperiale Glaube vielen Interpretationen offen. Es gibt allerdings eine feine Trennlinie zwischen gesunder, produktiver Kontroverse und Ketzerei. Manche stehen unter dem Einfluss von Xenos, zum Beispiel Symbionten, oder den Mächten des Chaos. Die meisten Ketzer sind aber keine Symbionten- oder Chaosverehrer - Ihr Glaube weicht einfach so weit von dem der Ekklesiarchie ab, dass er eine Bedrohung für den status quo darstellt. Manche leugnen die Göttlichkeit des Imperators, was eine der am heftigsten bekämpften Ansichten darstellt. Andere lehnen es schlicht ab, Steuern an die Ekklesiarchie abzuführen. Wiederum andere sind schlicht Anarchisten.4:S.38
Die imperiale Reaktion auf Häresie besteht im Normalfall in der Tötung des Ketzers.4:S.38 Meist geht diesem Folter voraus, um die Seele des Ketzers von seinen Sünden zu reinigen. Es existieren allerdings auch andere, exotischere Methoden der Bestrafung, darunter die Arco-Flagellation.9:S.138 Wo die Ergreifung eines Häretikers nicht sofort möglich ist, kann ein Inquisitor eine Person Excommunicate Haereticus, Diabolus oder Extremis Diabolus erklären.7:S.5
Häretische Kulte
Ketzerkulte haben bei all ihrer Vielfalt häufig einiges gemein. Die meisten arbeiten hinter einer wohltätigen, mindestens aber anerkannten Fassade oder verstecken sich vollständig vor den imperialen Behörden. Häufig bevorzugen sie bei ihrer Tätigkeit und bei der Rekrutierung neuer Mitglieder bestimmte Milieus oder Regionen, welche entweder im Wesen des Kultes angelegt sind oder den Kult stark prägen können. Die folgenden archetypischen Kultformen treten mit einer gewissen Häufigkeit auf, oft bestehen dabei Überschneidungen:1:S.22ff
Charismatische Kulte
Charismatische Kulte weisen eine einfache Organisationsstruktur auf, sie stehen und fallen mit der Autorität, Überzeugungskraft und den rhetorischen Fähigkeiten ihres Anführers. Dieses Individuum kann ein Hexer oder Magus sein, aber auch ein ganz gewöhnlicher Mensch mit Überzeugungen, die aus Unzufriedenheit oder religiöser Abweichung hervorgegangen sind.1:S.23f
Symbiontenkulte, die stets um ihren Patriarchen kreisen5:S.28, der Kult der Stimme des Imperators, welcher im Vorfeld des Sturm des Chaos das nördliche Segmentum Obscurus in Rebellion und Anarchie verstrickte3:S.12, oder die Techhexer des Erz-Häretek Ammicus Tole2:S.32ff. stellen Beispiele für solche Kulte dar.
Mysterienkulte und Geheimgesellschaften
Mysterienkulte drehen sich um Wissen oder Macht, Zugang zu uralten Prophezeiungen oder Ähnliches. Eine kleine Gruppe kontrolliert diese Geheimnisse und bildet einen inneren Zirkel oder eine oligarchische Schicht innerhalb des Kultes, welcher häufig in mehrere Rangstufen aufgeteilt ist. Kultisten außerhalb dieses inneren Kreises müssen sich der Autorität der Höherstehenden unterwerfen, um ebenfalls Zugang zu der Machtbasis der Gruppe zu erlangen und vielleicht dereinst aufzusteigen. Viele Sekten, die sich auf okkultes Wissen konzentrieren, sind nach diesem Schema aufgebaut.1:S.24
Aus Sicht des Ministorums könnte man das Adeptus Mechanicus insgeheim durchaus als Mysterienkult bezeichnen.1:S.24 Aber auch Sekten wie die Logiker 1:S.41ff fallen in diese Kategorie.
Zellen
Die Zellenstruktur ist für einen Kult, dessen Tätigkeit das Risiko der Entdeckung in sich trägt, die effektivste. Einzelne Zellen können eine Handvoll oder auch Hunderte von Mitgliedern umfassen, die jeweils bestimmte Aufgaben oder Ziele besitzen. Außer einem Leiter oder Leitgremium besitzt niemand direkten Kontakt mit dem übergeordneten Kult oder Ketzern anderer Zellen. Einige gehen sogar noch weiter: Die Führer einzelner Zellen bilden die einfachen Mitglieder einer anderen, höherstehenden Zelle - ein Schema, das sich bis zu einem Pyramidensystem hin entwickeln kann. Das Verfolgen und Knacken dieser Strukturen kann sich als außergewöhnlich schwierig erweisen, so dass viele der gefährlichsten Ketzerkulte in diese Kategorie fallen.1:S.24f
Ein gutes Beispiel für einen in Zellen organisierten Kult ist die Tempeltendenz.1:S.31ff
Imperiale Todeskulte
-> Hauptartikel: Todeskulte
Todeskulte blühen im Imperium. Sie sind dunklere Facetten der leichter erkennbaren Orden, Sekten und Schulen des Imperialen Glaubens, welche in vielen Teilen der Galaxis die normale Erscheinung des Ministorums ausmachen.1:S.25
Technohäresie
-> Hauptartikel: Technohäresie
Auch das Adeptus Mechanicus kennt den Begriff der Häresie. Ein "Häretek" oder "Technohäretiker" (orig. heretek) verstößt gegen die wissenschaftlichen oder technologischen Dogmen des Adeptus Mechanicus. Sein Verbrechen bezeichnet man als Technohäresie.2:S.15ff
Bedeutende Häretiker in Vergangenheit und Gegenwart
- Goge Vandire, Senator des Administratums und Ekklesiarch zur Zeit der Herrschaft des Blutes4:S.9ff
- Kardinal Bucharis, Schlüsselfigur der Seuche des Unglaubens 4:S.39ff
- Die Stimme des Imperators, Aufwiegler im nördlichen Segmentum Obscurus 3:S.12
- Hermann von Straab, verräterischer Gouverneur von Armageddon, angeklagt wegen unglaublicher 883204294 häretischer Verbrechen 8 S.108
- Ferran Ghast, verräterischer Akolyth der Inquisition des Calixis-Konklave1:S.208
- Myrchella Sinderfell, Dilettantin des Verruchten im Calixis-Sektor1:S.209
- Magos Vathek, ehemaliger Explorator und Häretek 1:S.210
- Die Brennende Prinzessin, flüchtige Psionikerin der Stufe Alpha Plus1:S.211
- Coriolanus Vestra, abtrünniger Missionar im Calixis-Sektor1:S.212
- Tobias Belasco, ketzerischer Adliger von Malfi 1:S.214
- Der unbekannte Ketzer, mysteriöses Individuum und Mörder mehrerer Inquisitoren1:S.214
- Ammicus Tole, Erzhäretek des Calixis-Sektors 2:S.32ff.
- s.a. den Artikel Excommunicate Haereticus für weitere Beispiele